KONZERT AM SONNTAG – Historische Kuranlagen & Goethe-Theater Bad Lauchstädt

Romantische Kirchenmusik

Ausführende:
Solisten
Isabel Kalis, Sopran
Annekathrin Laabs, Alt
Wolfram Lattke, Tenor
Gotthold Schwarz, Bass

Neithard Ebel, Pfarrer (Einführung)

Regionale Kinderkantorei Bad Lauchstädt
Regionale Kantorei Bad Lauchstädt
Kammerorchester „Alea iacta est“

Leitung: Jörg Ritter

Programm:
BRUNO COULAIS (*1954)
Les Choristes
„Die Kinder des Monsieur Mathieu“
in einer Bearbeitung für Kinderchor gemischten Chor und Orchester
  1. Sieh auf deinem Weg
  2. Sanft weht ein Hauch überm Meer
  3. Papierflieger
CARL LOEWE (1796-1869) in Gedenken an den 150. Todestag
„Die Auferweckung des Lazarus“ op. 132
Oratorium für Soli Chor und Orchester

in der Orchesterfassung von Gottfried Grunewald 1913

FELIX MENDELSSOHN  BARTHOLDY (1809-1847)
„Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“ op. 42

Psalmkantate für Soli, Chor und Orchester

Kartenpreis: 15 €

Kartenreservierung:
Tel. 0345 2037791

E-Mail: kartenreservierung.kursaal@googlemail.com

Die Kinder des Monsieur Mathieu (Originaltitel: Les Choristes) mit der Musik von Bruno Coulais (*1954) ist ein französisch-schweizerischer Kinofilm aus dem Jahr 2004. Er gehört zu den erfolgreichsten französischen Filmen der vergangenen Jahre, allein in Frankreich lockte er gut achteinhalb Millionen Besucher in die Kinos. Der Filmstart in Deutschland und der Deutschschweiz war am 2. September 2004. Der Film wurde – mit wenigen Ausnahmen – durchgängig mit Laien besetzt. Darin spielt der Chorgesang eine wichtige Rolle. Die Musikaufnahmen sang der Kinderchor Les Petits Chanteurs de Saint-Marc (Die kleinen Sänger von Sankt Markus) aus Lyon ein.

Gabriel Fauré komponierte den „Cantique de Jean Racine“ 1865 für sein Abschlussexamen an der École de musique classique et religieuse. Als Text wählte er die französische Nachdichtung des Lateinischen Hymnus „Consors paterni luminis“ durch Jean Racine. Gemäß dem Reglement der Hochschule sollte das Werk mit Orchesterbegleitung sein, aber man weiß, dass Fauré, der vor allem mit der Ausarbeitung des Chorparts befasst war, sein Werk lediglich mit Orgelbegleitung einreichte. Die Jury, von der großen Schönheit des Werkes berührt, beschloss klugerweise, nicht auf der Einhaltung der Regeln zu bestehen und  Fauré den ausgeschriebenen Kompositionspreis dennoch zuzuerkennen. Später reichte er seine Orchesterfassung nach.

Carl Loewe 1796-1869
Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes“ (Joh. 11, 4)
Die geheimnisvolle Auferweckung des Lazarus, wie sie das Johannes-Evangelium schildert, gibt eine besondere Gelegenheit dazu, sich den großen Rätselfragen des Lebens zuzuwenden. Das Erkenntnisbedürfnis des modernen Menschen will nicht beim bloßen Wunderglauben stehenbleiben, sondern in die Tiefe dringen, um Klarheit zu erlangen, was diesem Geschehen eigentlich zugrunde liegt. Zumal es die Passion Christi einleitet, also offensichtlich in einer starken inneren Beziehung zu dem ja noch rätselvolleren Ostergeschehen steht.
Die Auferweckung des Lazarus wird von den katholischen und evangelischen Theologen als eine Auferweckung von den Toten aufgefasst und als die siebte und größte der Wundertaten Jesu angesehen, die er nach dem Johannes-Evangelium vollbracht hat. Vordergründig spricht ja auch die Tatsache, dass Lazarus krank wurde, man dann offenbar seinen Tod diagnostizierte und ihn ins Grab legte, für den Eintritt des Todes, aus dem ihn Christus nach über drei Tagen auferweckte. https://fassadenkratzer.wordpress.com/2018/03/29/die-raetselvolle-auferweckung-des-lazarus-und-das-ostergeschehen/

Carl Loewe vertraute bei seinem letzten Oratorium dem nicht gereimten Text der Bibel, wie er bei Johannes, Kapitel 11, steht. Er benötigte somit einen Erzähler, der von einer Altstimme übernommen wird, während die Chorpartien protestantische Choräle enthalten. So erinnert sein Chor „Sie gehet hin zum Grabe“ auffällig an den Beginn des Kirchenliedes „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Bei der Begleitung wandte sich Loewe der Orgel zu, was ihm eine leichte Aufführbarkeit sicherte. Der stellenweise immanente Orchesterklang bewog um 1913 den Magdeburger Musikdirektor Gottfried Grunewald, die Begleitung zu orchestrieren. Er nutzte dabei die romantische Klangpalette bis hin zum Tamtam, das die Öffnung des Grabes und das Wunder der Auferweckung in „O Wunder groß“ untermalt.

Gottfried Grunewald
Das Vocal-Oratorium „Die Auferweckung des Lazarus“ in drei Teilen nach Texten des Evangelisten Johannes (Kap. 11) wurde 1864 von Carl Loewe für Solisten und Chor mit Begleitung von Orgel oder Pianoforte komponiert. Die Orchestrierung erfolgte 1913 von Gottfried Grunewald, der ab 1882 in Magdeburg als Chordirigent, Komponist, Musikpädagoge und königlicher Musikdirektor wirkte.
Der am 20.01.1857 in Quenstedt bei Eisleben geborene Sohn eines Kaufmanns begann auf Wunsch des Vaters eine Lehrerausbildung in Eisleben, die er bald zugunsten der Musik abbrach. Er nahm Unterricht in Musiktheorie (Kantor Kopehl) und eignete sich autodidaktisch das Violoncellospiel an. Von 1873 bis 1876 lernte er an der Großherzoglichen Orchester- und Musikschule Weimar (Max Meyer-Olbersleben, Karl Müller-Hartung). Nach fünfjährigem Militärdienst als Musiker im 26. Infanterieregiment Magdeburg ließ er sich daselbst nieder. In Magdeburg gründete er 1901 den Orchesterverein Philharmonie, nachdem er sich erfolglos um die Nachfolge Fritz Kauffmanns als Dirigent der Magdeburger Gesellschaftskonzerte beworben hatte. Er leitete von 1911 bis 1924 die Erste Magdeburger Liedertafel (gegründet 1819). 1910 wurde er zum Königlichen Musikdirektor ernannt. Grunewald war langjähriger Leiter der Gesangsgruppe des Deutschen Handlungsgehilfenverbandes, des Schwarzschen Männergesangsvereins, des Chores der Deutsch-Reformierten Kirche, des Graphischen Gesangsvereins sowie der Verbündeten Männergesangsvereine. Des Weiteren wirkte er auch als Musikpädagoge (Klavier, Violoncello) im Musikinstitut von Hermann Fischer. Den Schwerpunkt in seinem Schaffen bilden Kompositionen für Männer- und gemischten Chor. Seine Opern basieren auf spätromantischen, teils mystischen Stoffen (z. B. “Die Brautehe”). Er verwendet ein überaus großbesetztes “romantisches” Orchester, dessen Klangfarbenreichtum er ausschöpft. In seiner Vorliebe für Tonmalerei und dichterische Programme (z. B. in Legende für Streichorchester “Vineta”, Vorspiel zu “Astrella”, die dramatische Orchester- Chor-Ballade “Des Sängers Fluch”) scheint er von Liszt beeinflusst. Auch der Harmonik und Orchesterbehandlung Richard Wagners war er verpflichtet. Der Reger-Schüler Gerhard Dorschfeldt notierte 1939 über Grunewalds Musik: “Wer die Partituren seiner Orchesterwerke kennt, wird über das Kolorit der aparten Klangfarben, über die technisch-virtuose, dort stets vornehme Behandlung seiner großen Chorensembles, und über die geistig hochwertige Erfindungskraft dieses ungemein begabten Künstlers erstaunt sein.” Sigfrid Karg-Elert lobte das “dramatische Talent” des “geborenen Bühnenkomponisten” und schilderte ihn als “vornehm zurückhaltende Künstlernatur”.

Quelle: Ralph-J. Reipsch, Magdeburger Bibliographisches Lexikon, Biographien

Im Schaffen Felix Mendelssohn Bartholdys stellt die geistliche Chormusik einen Grundpfeiler dar und spiegelt seine musikalische Entwicklung und Vielseitigkeit wider. Von den ersten Studienwerken der 1820er Jahre bis zum Höhepunkt seines Schaffens, dem Oratorium „Elias“, kurz vor seinem Tode. Insgesamt vollendete Mendelssohn mehr als 50 geistliche Werke, unter ihnen Motetten, Kantaten, Psalmvertonungen u.v.m. – Werke für die evangelische und katholische Kirche, für den anglikanischen Gottesdienst und die Vertonung des 100. Psalms für die Synagoge in Hamburg. Psalmtexte inspirierten Felix Mendelssohn Bartholdy während seines gesamten Schaffens. Er hinterließ neben A-cappella-Sätzen fünf Orchesterpsalmen für jeweils große Besetzung.
Die Psalmkantate „Wie der Hirsch schreit“ begann Mendelssohn während seiner Hochzeitsreise mit Cécile im April 1837. Vervollständigt wurde das Werk später in Leipzig; insbesondere der Schlusschor wurde erst dann angefügt. Zu Neujahr 1838 konnte die Uraufführung in Leipzig stattfinden. Zuvor hatte Mendelssohn sein Werk bereits zu Hause in geselliger Runde geprobt, wie er seiner Mutter am 13. November 1837 schrieb: „Mein Psalm wurde ex tempore vom Blatt gesungen, Mme Harkort und Cécile ersten Sopran, Mme Schleinitz und Julie zweiten, ich Alt, Schleinitz und Kistner Tenor, David und Limburger Baß, wir verführten ein mörderliches Gebrüll – indeß der Rheinwein machte alles wieder gut.“ Das Werk wurde von den Zeitgenossen begeistert aufgenommen; Robert Schumann beispielsweise sprach von der „höchsten Stufe, die er [Mendelssohn] als Kirchenkomponist, ja die neuere Kirchenmusik überhaupt erreicht hat“. Infolge der sich wandelnden Vorlieben der nachfolgenden Jahrzehnte blieb es jedoch nicht bei dieser Begeisterung; erst in letzter Zeit konnte diese Psalmvertonung wieder etwas mehr in den Vordergrund gelangen.
Ein sanfter Beginn durch die Streicher wird gefolgt von allmählich wachsenden Klängen der Bläser. Nach wenigen Takten verleihen die Singstimmen des Chores dem Sehnen des Psalmbeters mit Worten Ausdruck: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir“. Hörner und Fagotte übernehmen, Streicher führen wieder zur Ruhe. Überall walten Wohlklang und Harmonie. Die Klage der Oboe nimmt den Sologesang des Soprans in der nachfolgenden d-Moll-Arie voraus. Ein kurzes Rezitativ leitet über zur nächsten Sopran-Arie in a-Moll, der sich ein Bläsersatz aus Klarinetten, Oboen und Hörnern beigesellt. Schließlich greifen die Frauenstimmen des Chores die Sopranmelodie samt der Psalmworte auf.

Die Männerstimmen eröffnen das nachfolgende Chorrezitativ, dem die Frauenstimmen antworten, gipfelnd in dem Ruf „Harre auf Gott“. Ein dramatisches Aufbegehren des Soprans wird übertönt und umfangen vom Quartett der vier Männerstimmen und schließlich von dem von „Güte“ singenden Männerchor. Mendelssohn schätzte diesen Satz besonders: „Dieses Quintett, überaus wirksam, bildet den Hochpunkt des Ganzen und muss überall, wo es nur angemessen vorgetragen wird, lebhaft bewegen.“ Nach einem weiteren Rezitativ folgt der Schlusschor, eingeleitet wiederum von „Harre auf Gott“-Rufen. Dann hebt eine Chorfuge an, die das „Harre auf Gott“-Thema in Lobpreis verwandelt und es mit den Worten „Preis sei dem Herrn“ zum Ende auf überwältigende Größe anwachsen lässt.

November 3 @ 17:00
17:00 — 19:00 (2h)

Historischer Kursaal

Konzertwinter 2019 | 2020

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